28.09.2016 - Warsteiner Komparsen schreiten

mit den Stars über den roten Teppich

Foto:  © M. Nolte
Foto: © M. Nolte Nebel im August Premiere in Essen: Michael Kurzius überreicht im Namen aller Komparsen eine Foto-Collage als Dankeschön an Regisseur Kai Wessel. © M. Nolte

Erstellt: 28.09.2016 Aktualisiert: 28.09.2016, 10:28 Uhr
Von: Monika Nolte

Warstein - Ein leichter Hauch von Hollywood weht am Montagabend über die Essener Flaniermeile Kettwiger Straße unmittelbar vor der Lichtburg. Ein roter Teppich weist den Weg zum historischen Kino. Absperrgitter und Security verraten die besondere Bedeutung dieses Kinoabends: Die Deutschlandpremiere des schon jetzt preisgekrönten Spielfilms „Nebel im August“ von Regisseur Kai Wessel steht auf dem Programm.

Mit dabei nicht nur Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller der authentischen Geschichte über den 13-jährigen Ernst Lossa, sondern auch 80 der rund 150 Komparsen aus dem Raum Warstein, die bei den Dreharbeiten in Warstein im Frühjahr 2015 mitwirkten und am Montag zur Premiere mit den Stars über den roten Teppich schreiten dürfen.

Im benachbarten Café sammeln sich mehr und mehr Warsteiner Gesichter, die frühzeitig angereist sind, um auf keinen Fall zu spät zu kommen. Langsam macht sich leichte Aufregung breit. Wie wird es sein, sich das erste Mal auf einer großen Kinoleinwand zu sehen? Wird man sich selbst überhaupt entdecken? Oder sind die gedrehten Szenen womöglich dem Schnitt zum Opfer gefallen? Gespannt warten die Komparsen darauf, dass es endlich losgeht. Unter ihnen auch viele Menschen mit Handicap, körperlichen wie geistigen Behinderungen. Sie waren besonders aufgefordert, sich zu bewerben, um die Authentizität des Films zu gewährleisten, der Anfang der 1940er-Jahre in einer Nervenheilanstalt spielt.

Alles zu dem Film

Um 19 Uhr endlich öffnen die Absperrungen am roten Teppich. Fotografen und Fernsehteams haben sich ebenso postiert wie Zuschauer. Als erstes dürfen die Komparsen über den Teppich schreiten, durch das Blitzlichtgewitter hinein ins Foyer der Lichtburg. Die Laienschauspieler aus Warstein strahlen in die Kameras, die Besonderheit dieses Moments ist ihnen anzusehen. Viele geben ihre wohl ersten Interviews an den Mikrofonen der Journalisten. Und dann fährt auch schon die erste Limousine vor. Produzent Ulrich Limmer, Regisseur Kai Wessel und die Kinder-Hauptdarsteller Ivo Pietzcker, der den 13-jährigen Ernst Lossa verkörpert, und Jule Hermann (Ernsts Freundin Nandl), steigen aus. Aus dem nächsten Fahrzeug schreiten die Hauptdarsteller Sebastian Koch (Anstaltsdirektor Veithausen) und Franzi Haberlandt (Schwester Sophia) auf den roten Teppich.

Deutschlandpremiere "Nebel im August" mit 80 Komparsen aus Warstein in Essen, Fotostrecke ansehen

Ivo und Jule erzählen, wie „cool“ sie es finden, dabei zu sein. Zwar haben sie schon Filmerfahrung, aber eine Premierenfeier sei schon etwas Besonderes. „Die Dreharbeiten haben riesigen Spaß gemacht“, erklären sie. Die Zusammenarbeit im Team sei toll gewesen – auch mit den ganzen Komparsen. Während für Jule feststeht, dass sie ihren „Traumberuf“ bereits gefunden hat, möchte der 14-jährige Ivo doch lieber Medizin studieren. „Und vielleicht nebenbei schauspielern...“

Sebastian Koch entdeckt einen Komparsen, mit dem er gedreht hat. Der Junge mit Down-Syndrom reckt die Hände aus und wandert von Mamas Arm auf den von Koch, lächelt mit ihm gemeinsam in die Kameras.


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Ivo und Jule erzählen, wie „cool“ sie es finden, dabei zu sein. Zwar haben sie schon Filmerfahrung, aber eine Premierenfeier sei schon etwas Besonderes. „Die Dreharbeiten haben riesigen Spaß gemacht“, erklären sie. Die Zusammenarbeit im Team sei toll gewesen – auch mit den ganzen Komparsen. Während für Jule feststeht, dass sie ihren „Traumberuf“ bereits gefunden hat, möchte der 14-jährige Ivo doch lieber Medizin studieren. „Und vielleicht nebenbei schauspielern...“

Sebastian Koch entdeckt einen Komparsen, mit dem er gedreht hat. Der Junge mit Down-Syndrom reckt die Hände aus und wandert von Mamas Arm auf den von Koch, lächelt mit ihm gemeinsam in die Kameras.

Viel Wiedersehensfreude

Foto:  © M. Nolte
Foto: © M. Nolte Regisseur Kai Wessel geht an die Absperrung, begrüßt seine Laienschauspieler

Im Foyer haben die Komparsen gegenüber der Fotowand Aufstellung genommen und warten auf die Stars. Dann endlich kommen sie ins Foyer. Statt steifer, abgeschirmter Fotos gibt es überall ein großes „Hallo“ und Wiedersehensfreude. Regisseur Kai Wessel geht an die Absperrung, begrüßt seine Laienschauspieler – viele von ihnen auch anderthalb Jahre nach Ende des Drehs noch mit Vornamen. Schnell wird deutlich, wie herzlich, wie eng die Zusammenarbeit am Set – abgeschirmt von der Öffentlichkeit – gewesen ist.

Immer wieder beteuern Mitwirkende, wie toll die Atmosphäre war. Die eventuelle Sorge im Vorfeld, wie mit den Menschen mit Handicap umgegangen würde, sei schnell verflogen – der Umgang derart behutsam gewesen, dass sich einfach jeder wohlfühlen musste am Set. Vielleicht hat gerade auch die Abgeschiedenheit dafür gesorgt, dass ein solches Team entstanden ist. „Sie sind etwas Besonderes“, lobt Wessel seine Komparsen. „Wir haben Sie besonders darauf vorbereitet, aber Sie auch wirklich gefordert. Ohne diese Mitwirkenden hätte der Film nicht eine solche Authenzität bekommen.“

Filmstart. Der 1250 Plätze umfassende Kinosaal ist fast vollständig gefüllt, als die ersten Bilder über die Leinwand flimmern. Das Schicksal des 13-jährigen Ernst Lossa, der als Sohn eines fahrenden jenischen Händlers in einer bayerischen Nervenheilanstalt landet, weil er aufsässig und unangepasst ist, wird ruhig, behutsam und dennoch äußerst eindrucksvoll dargestellt. Die Dramaturgie wird mit überzeugenden Darstellern erzielt.

Und auch die Komparsen aus Warstein sind immer wieder in kurzen Klinikszenen im Bild. Alle werden sich wohl nicht entdeckt haben, denn „25 Minuten mussten wir am Ende noch rausschneiden“, so Wessel. „Oft sieht man erst am Schneidetisch, dass einige Geschichten schon erzählt sind“, erklärt er. Der Film war einfach zu lang. Was blieb, sind 126 beeindruckende Filmminuten, von denen keine einzige langatmig erschien.

Mit dem Abspann flimmern auch die Namen sämtlicher Laienschauspieler und sonstiger Mitwirkender aus Warstein über die Leinwand. Produzent Ulrich Limmer bittet Regie und Schauspieler auf die Bühne, bedankt sich bei allen Mitwirkenden. Dann gibt es Applaus von den Stars auf der Bühne für die Komparsen im Saal. Die Leinwand wird eingefahren und alle Komparsen zum Foto auf die Bühne gebeten. Michael Kurzius übergibt im Namen aller als Dankeschön eine Fotocollage an Kai Wessel.

Im Kinosaal und beim anschließenden Empfang gibt es Autogramm- und Fotowünsche. Aber auch Zeit zum Plaudern mit dem Regisseur. Kurz vor Ende des Premierenabends nutzt eine junge Komparsin die Chance zum Gespräch mit Wessel und spricht allen aus der Seele: „Drehen Sie mal wieder einen Film in Warstein? Wir würden sofort wieder mitmachen!“ Kai Wessel schmunzelt: „Dann würde der Film auf jeden Fall gut werden...“

(Quelle: https://www.soester-anzeiger.de)

NEBEL IM AUGUST Trailer German Deutsch (2016)

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